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  3. Hölderlins Meisterwerk ›Hälfte des Lebens‹
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Alliterationen und Assonanzen

Hölderlin hat die Wörter seiner Gedichte weniger nach den Regeln der Grammatik, sondern vielmehr nach musikalischen Prinzipien zusammengesetzt. Aus der Kombination von Wörtern mit bestimmten Vokalen und Konsonanten ergibt sich so wie in einem Lied eine Art Sprachmelodie. Das lässt sich auch in ›Hälfte des Lebens‹ beobachten.

Die 1. Strophe beginnt mit einer Serie von e-e und i-e-Variationen. Mehr und mehr kommen dazu auch dunklere und vollere Vokale wie o und u hinzu, die die Fülle des Landschaftsbildes akkustisch unterstreichen.

Mit gelben Birnen hänget

Und voll mit wilden Rosen

Das Land in den See,

Ihr holden Schwäne,

Und trunken von Küssen

Tunkt ihr das Haupt

Ins heilignüchterne Wasser.

In der klanglichen Gestaltung des Gedichts ist zudem eine weitere Symmetrie versteckt: Das dritte Wort der 1. Strophe (Birnen) bildet eine Assonanz mit dem drittletzten Wort der 2. Strophe (Klirren): Beide Wörter haben dieselben Vokale in derselben Silbenposition. Weitere Beispiele für Assonanzen wären z.B. Hegel und Kegel oder Handbuch und Strandtuch.

Das letzte Wort der 1. Strophe (Wasser) zieht außerdem eine Folge von Worten mit dem Anlaut W nach sich. Die gesamte 2. Strophe ist erfüllt von dem Klagelaut, mit dem sie eröffnet wird: »Weh mir«. Eine solche Folge von Worten mit demselben Anlaut nennt man eine Alliteration.

Und trunken von Küssen

Tunkt ihr das Haupt

Ins heilignüchterne Wasser.


Weh mir, wo nehm’ ich, wenn

Es Winter ist, die Blumen, und wo

Den Sonnenschein,

Und Schatten der Erde?

Die Mauern stehn

Sprachlos und kalt, im Winde

Klirren die Fahnen.

Mehr über Hölderlins Einsatz von Vokalen und Konsonanten erklärt der Sprechkünstler Christian Reiner in diesem Video...