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Das Gedicht beginnt mit einer sehnsuchtsvollen Erinnerung an eine durchaus positiv erlebte Landschaft. Verheißungsvoll bläst der Nordwind durch die Segel der Schiffe. Die Freiheit und Weite des offenen Meers sind fast spürbar. In freundschaftlicher Personifikation lässt das lyrische Ich die »schöne Garonne« und »die Gärten von Bourdeaux« grüßen. Auch die 2. Strophe des Gedichts versammelt Eindrücke und Landschaftsbeschreibungen, die dem lyrischen Ich in Erinnerung geblieben sind. Nicht die belebte Großstadt Bordeaux, sondern ländliche Szenen und Landschaften kommen ihm ins Gedächtnis. Doch mit der 3. Strophe kippt die Stimmung. Das lyrische Ich zieht sich zurück.

Es reiche aber,

Des dunkeln Lichtes voll,

Mir einer den duftenden Becher,

Damit ich ruhen möge; denn süß

Wär’ unter Schatten der Schlummer.

Nicht ist es gut,

Seellos von sterblichen

Gedanken zu seyn. Doch gut

Ist ein Gespräch und zu sagen

Des Herzens Meinung, zu hören viel

Von Tagen der Lieb’,

Und Thaten, welche geschehen.

Als hätte sich daraufhin der Schlummer über das lyrische Ich gelegt, folgen im Anschluss nur noch allgemeine Bemerkungen, die nicht mehr aus einer individuellen Beobachter-Situation geschildert werden:

Nicht ist es gut,

Seellos von sterblichen

Gedanken zu seyn. Doch gut

Ist ein Gespräch und zu sagen

Des Herzens Meinung, zu hören viel

Von Tagen der Lieb’,

Und Thaten, welche geschehen.

Die Stimmung kippt genau in der Mitte des Gedichts, in Vers 29. Der Wunsch nach Ruhe und Schlummer könnte somit auch als Todessehnsucht verstanden werden. Allein und ohne Freunde ist das lyrische Ich nun. Ebenso entbehren auch die Seefahrer die Feiertage und Festlichkeiten der Stadt. Auf See sammeln sie nicht nur das »Schöne der Erd’«, sie müssen auch mit Kriegen und Verlusten rechnen.

Zuletzt endet das Gedicht jedoch mit einer Naturbeschreibung voller Sehnsucht und Schönheit:

Und zusammen mit der prächt'gen

Garonne meerbreit

Ausgehet der Strom. Es nehmet aber

Und giebt Gedächtniß die See,

Und die Lieb’ auch heftet fleißig die Augen,

Was bleibet aber, stiften die Dichter.