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  1. Hölderlinturm
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  3. Eine Reiseerinnerung wird zum Gedicht
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Landschaften & Orte markieren

Unter den Beschreibungen des Gedichts sind einige geografische Referenzen eingestreut, die darauf hinweisen, dass Hölderlin die Landschaft um Bordeaux gut kannte und beim Schreiben vor Augen hatte. Das war zu Hölderlins Zeit keineswegs selbstverständlich. Nicht jeder hatte die Möglichkeit, auf Reisen zu gehen. Viele Schriftsteller*innen entwarfen in ihren Werke Landschaften, die sie lediglich aus Erzählungen oder Gemälden kannten.

Stilisierte Landkarte der Flüße um Bordeaux

›Andenken‹ folgt dem Lauf der Garonne von Bordeaux bis zu der »luftigen Spiz’«, mit der wahrscheinlich die Landspitze Bec d'Ambès gemeint ist, an der die Garonne und die Dordogne zur Gironde zusammenfließen. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis die Gironde in den Atlantik mündet.

In seiner Zeit als Hauslehrer in Bordeaux muss Hölderlin Gelegenheit gehabt haben, die Landschaften um die Großstadt herum zu besichtigen. Womöglich ist er dem Flussverlauf der Garonne sogar selbst gefolgt und hat bei Soulac-sur-Mer das erste und einzige Mal in seinem Leben das weite Meer erblickt, das er in seinen Werken schon zuvor immer wieder imaginiert hat.

Übrigens
Aufgrund des sichelförmigen Bogens, in dem sich die Garonne durch Bordeaux windet, wird die Stadt auch ›Port de la lune‹ (Hafen des Mondes) genannt. Dass die Garonne über die Gironde direkt mit dem Meer verbunden ist, macht sich in Bordeaux tatsächlich bemerkbar: Bei Flut sorgt das einströmende Meerwasser dafür, dass der Pegel der Garonne um etwa 4–5 Meter ansteigt. Die Strömungen sorgen für Strudel und Unruhe auf der Wasseroberfläche. Manchmal bewegen sich die Gezeitenwellen dutzende Kilometer flussaufwärts bis in die Vororte von Bordeaux. Diese sogenannte »Springflut« (mascaret) ist vor allem bei Surfern sehr beliebt.