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Gehen & Sprechen

Hölderlin hat seine Verse oft im Gehen ausprobiert. Im Tübinger Stift soll er nachts die anderen Studenten dadurch gestört haben, dass er seine Gedichte laut vor sich hinsagte, während er in der Stube hin- und herlief. Genauso, wie Gedichte auch in der Antike nicht still gelesen, sondern im Tanz rezitiert und rhythmisch abgeschritten wurden.

Deine Aufgabe
Man merkt Hölderlins Gedichten an, so die Hölderlin-Experten, dass sie ein gewisses Tempo erfordern und in einem bestimmten Takt geschrieben wurden. Probiere das einmal aus und versuche, den Takt des Gedichts beim Hören mitzulaufen. Bei jedem Taktzeichen (|) machst du einen Schritt nach vorne.
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Christian Reiner liest ›Andenken‹

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Andenken

Der | Nordost | wehet,

Der | liebste | unter den | Winden

Mir, | weil er | feurigen | Geist

Und | gute | Fahrt ver | heißet den | Schiffern.

Geh aber | nun und | grüße

Die | schöne Ga | ronne,

Und die | Gärten | von Bour | deaux

Dort, wo am | scharfen | Ufer

Hingehet der | Steg und in den | Strom

Tief fällt der | Bach, da | ber | aber

Hinschauet ein | edel | Paar

Von | Eichen und | Silberpappeln;


Noch | denket | das mir | wohl und | wie

Die | breiten | Gipfel | neiget

Der | Ulmwald, | über die | Mühl',

Im | Hofe | aber | wächset ein | Feigen | baum.

An | Feier | tagen | gehn

Die | braunen | Frauen da | selbst

Auf | seidnen | Boden,

Zur | Märzen | zeit,

Wenn | gleich ist | Nacht und | Tag,

Und | über | langsamen | Stegen,

Von | goldenen | Träumen | schwer.

Einwiegende | Lüfte | ziehen.


Es | reiche | aber,

Des | dunkeln | Lichtes | voll,

Mir | einer den | duftenden | Becher,

Da | mit ich | ruhen | ge; denn | süß

Wär' | unter | Schatten der | Schlummer.

Nicht ist es | gut,

Seellos von | sterblichen

Ge | danken zu | seyn. Doch | gut

Ist ein Ge | spräch und zu | sagen

Des | Herzens | Meinung, zu | ren | viel

Von | Tagen der | Lieb',

Und | Thaten, | welche ge | schehen.


Wo aber | sind die | Freunde? | Bellar | min

Mit | dem Ge | fährten? | Mancher

Trägt | Scheue, an die | Quelle zu | gehn;

Es be | ginnet | nemlich der | Reichtum

Im | Meere. | Sie,

Wie | Mahler, | bringen zu | sammen

Das | Schöne der | Erd' und ver | schmähn

Den ge | flügelten | Krieg | nicht, und

Zu | wohnen | einsam, | jahrlang, | unter

Dem ent | laubten | Mast, wo | nicht die | Nacht durch | glänzen

Die | Feier | tage der | Stadt,

Und | Saiten | spiel und | einge | borener Tanz | nicht.


Nun aber | sind zu | Indiern

Die | Männer ge | gangen,

Dort an der | luftigen | Spiz'

An | Trauben | bergen, | wo her | ab

Die Dor | dogne | kommt.

Und zu | sammen | mit der | prächt'gen

Ga | ronne meer | breit

Ausgehet der | Strom. Es | nehmet | aber

Und | giebt Ge | dächtniß die | See,

Und die | Lieb' auch | heftet | fleißig die | Augen,

Was bleibet | aber, | stiften die | Dichter.